Lebenshilfe Ortsvereinigung Weimar e. V.


 

 

 Lebenshilfe Landesverband Thüringen e.V.

 

 

 

 

 7. Informationsschreiben für Eltern und Angehörige
in der Corona-Krise (Stand 13.07.2020)

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

gerne möchten wir Ihnen, liebe Angehörige von Menschen mit Behinderungen, wieder aktuelle Informationen in Bezug auf die Auswirkungen der Corona-Krise zukommen lassen. Sie bekommen dieses Informationsschreiben heute erneut von Ihrer regionalen Lebenshilfe-Einrichtung zugeschickt. Da wir Ihnen das Schreiben künftig direkt zuschicken möchten, benötigen wir Ihre E-Mail-Adresse. Bitte senden Sie uns dafür eine Nachricht an: gisela.schroeter@lebenshilfe-thueringen.de und an claudia.mueller@lebenshilfe-thueringen.de . *1 Angehörige, die uns ihre Kontaktdaten und die Hinweise zum Datenschutz bereits zugeschickt haben, bekommen das aktuelle Informationsschreiben bereits heute zugeschickt.

 

Wir wünschen Ihnen weiterhin alles Gute und viel Kraft in diesen herausfordernden Zeiten!

 

 

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Ihr Team der Lebenshilfe Thüringen

 

*1 Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass Ihre Daten bei dem Landesverband der Lebenshilfe Thüringen gespeichert und vertraulich behandelt werden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Wir nutzen Ihre Daten ausschließlich, um Ihnen Informationsschreiben (mit Informationen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie; Rundschreiben der Lebenshilfe Thüringen, ggf. andere für Eltern/Angehörige relevante Informationen) zuzuschicken. Wenn Sie keine weiteren Informationen der Lebenshilfe Thüringen erhalten möchten, dann teilen Sie uns das bitte per E-Mail mit.

 

 

 

Inklusives Café eröffnet in der Gedenkstätte Buchenwald

 

Am 1. Juli ging es endlich los: Das Museumscafé der Gedenkstätte Buchenwald öffnete als „Café Paul“ seine Pforten und bietet saisonale Tagesgerichte, Kaffee, Kuchen und kleine Erfrischungen an. Auch für Radfahrende ist gesorgt. Sie erhalten u. a. energiereiche Snacks und kostenloses Trinkwasser.

 

 

 

Bereits am 1. April übernahm das vom Lebenshilfe-Werk neu gegründete Inklusionsunter-nehmen „Dienstleistungswerk Weimar/Apolda gGmbH“ den Betrieb des Museumscafés und der Internationalen Jugendbegegnungsstätte. Aufgrund der Corona bedingten Einschränkungen musste die Eröffnung jedoch verschoben werden. Nun arbeiten hier Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen.

 

 

 

Inklusionsbetriebe beschäftigen bis zu 50 Prozent schwerbehinderte Arbeitnehmer*innen. Es handelt sich um sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Zudem erhalten diese Beschäftigten bei Bedarf eine arbeitsbegleitende sozialpädagogische Betreuung sowie berufliche Weiterbildung und/oder Qualifizierung.

 

 

 

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Die Gedenkstätte und das Lebenshilfe- Werk betonen, dass diese besondere Zusammenarbeit einer bewussten Entscheidung entspringt: In den Jahren des Nationalsozialismus wurden nahezu 200.000 Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen als lebensunwert bezeichnet und getötet.

 

Thüringer Landesbehindertenbeirat hat sich neu konstituiert

 

 

 

Am 01.07.2020 fand im Thüringer Landtag die konstituierende Sitzung des Landesbeirates für Menschen mit Behinderungen statt. Der Beauftragte für Menschen mit Behinderungen Joachim Leibiger überreichte in Anwesenheit von Landtagspräsidentin Birgit Keller und Sozialministerin Heike Werner die Berufungsurkunden, darunter auch an Constanze Borchert als Vertreterin des Lebenshilfe-Rats der Lebenshilfe Thüringen e.V..

 

 

 

Der Landesbehindertenbeirat ist das wichtigste zivilgesellschaftliche Gremium zur Erörterung und Beratung von Fragen, die Menschen mit Behinderung bewegen. Ob es um Bildung, Arbeit, Wohnen, Bauen, Verkehr, Digitales oder Corona geht, der Beirat ist gefragt, wenn die Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderungen gestaltet werden.

 

 

 

Neu ist, dass der Landesbehindertenbeauftragte ebenso wie andere Beauftragte seine Tätigkeit im Zentrum der Politik, dem Thüringer Landtag, aufnimmt. Des Weiteren hat sich die Zusammensetzung des Landesbehindertenbeirats verändert. Mitglieder mit Stimmrecht sind nur jene Mitglieder, die Verbände der Menschen mit Behinderungen vertreten.

 

 

 

Klarstellung zur Abwesenheit von Menschen mit Behinderung in der WfbM aufgrund der Corona-Krise

 

Für die WfbM im Landkreis Weimarer Land traten Irritationen auf zur Anerkennung der Corona bedingten Abwesenheit von beschäftigten Menschen mit Behinderung und dem Aussetzen der Abwesenheitsregelung.

 

Am 03.07.2020 wurde durch die Vertreter der Leistungsträger in der Teilhabekommission des Landes klargestellt, dass das Corona bedingte Aussetzen der Abwesenheitsregelung derzeit noch für bestimmte Beschäftigte fortbesteht. Das gilt für Beschäftigte, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe und für Personen, die aufgrund der hygienebedingten Platzbeschränkungen die WfbM noch nicht wieder betreten dürfen.

 

 

 

Mögliche einmalige Leistungen für Empfänger von Grundsicherung nach SGB XII

 

Kurt Ditschler, Dozent für Arbeits- und Sozialrecht, weist in einem aktuellen Fachbeitrag darauf hin, dass mit dem Antrag auf Grundsicherung regelmäßig nicht alle Leistungen der Grundsicherung nach dem SGB XII beantragt werden.

 

Um mögliche einmalige Leistungen für die Erstausstattung der Wohnung, bei Schwangerschaft und Geburt, zur Anschaffung und Reparatur von orthopädischen Schuhen.

 

 

 

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für Bildung und Teilhabe oder Beiträge zur Alterssicherung zu erhalten, müssen gesondert Anträge gestellt werden.

 

Unter nachfolgendem Link ist die entsprechende Info zu finden:

 

https://www.ditschler-seminare.de/fachbeitr%C3%A4ge/fachbeitrag-gesondert-zu-beantragende-leistungen-der-grundsicherung/

 

Finanzielle Hilfen für Werkstattbeschäftigte

 

 

 

Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am 03.07.2020 einer Regierungsverordnung zugestimmt, die die rechtliche Grundlage für den Ausgleich der Entgeltausfälle von Werkstattbeschäftigten während des Corona bedingten Betretungsverbots der WfbM schafft. In unserem 5. Informationsschreiben (Stand 15.06.2020) hatten wir bereits über dieses Vorhaben berichtet.

 

 

 

Da aus rechtlichen Gründen die Beanspruchung von Kurzarbeitergeld nicht möglich ist, stellt der Bund den Ländern dafür einmalig in 2020 finanzielle Mittel bereit durch Verzicht auf 10 % der Ausgleichsabgabe.

 

Weitere Infos dazu sind unter folgendem Link zu finden:

 

https://www.bundesrat.de/DE/plenum/bundesrat-kompakt/20/992/992-pk.html?nn=4732016#top-49

 

 

 

Außerdem erhalten Werkstattbeschäftigte, die Grundsicherungsleistungen beziehen und denen im Februar 2020 der Mehrbedarf für die gemeinschaftliche Mittagsverpflegung anerkannt wurde, diesen Mehrbedarf bis zum 30.09.2020 in voller Höhe weiter. Diese Regelung galt zunächst nur bis 31.08.2020. Dabei ist unerheblich, ob die Werkstattbeschäftigten während der Zeit der Betretungsverbote oder in der Wiedereröffnungsphase am gemeinsamen Mittagessen in der Werkstatt teilgenommen haben bzw. teilnehmen.

 

 

 

Die entsprechende Verordnung vom 25.06.2020 ist unter folgendem Link zu finden:

 

https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl120s1509.pdf%27%5D__1594126308481

 

Änderungen mit der neuen Corona-Verordnung

 

 

 

Der Paritätische Thüringen hat über die neue Corona-Verordnung des Landes informiert, die vom 16.07. bis 30.08.2020 gilt. Folgende Änderungen für Menschen mit Behinderungen sind geplant:

 

 Die Freiwilligkeit in Bezug auf die Betretung von WfbM, Tagesstätten, Angeboten anderer Leistungsanbieter nach § 60 SGB IX sowie aller Formen von Förderbereichen wird gestrichen, d. h. alle Werkstattbeschäftigten und Besucher.

 

 

 

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Förderbereichen der WfbM dürfen grundsätzlich wieder zur Arbeit oder Beschäftigung gehen.

 

 

 

 Die bisherige in der WfbM organisierte Trennung der beschäftigten und betreuten Menschen mit Behinderungen zwischen den Bewohnern, die innerhalb und außerhalb der besonderen Wohnformen leben, sowie zwischen den Bewohnern, die in örtlich verschiedenen besonderen Wohnformen leben, entfällt.

 

 

 

 Das Betretungsverbot für Risikogruppen bleibt bestehen. Bei einer Gefährdung der seelischen Gesundheit können Menschen mit Behinderungen in Abweichung von diesem Verbot die Leistungen der WfbM oder des Förderbereichs in Anspruch nehmen.

 

 

 

Frühförderung von Kindern mit Behinderungen oder von Kindern mit drohender Behinderung kann wieder ohne Einschränkung am Wohnsitz der Personensorge-berechtigten erfolgen. Die bisherigen Einschränkungen wie z. B. das Angewiesensein der Eltern auf den ÖPNV entfallen.

 

 

 

Förder- und Therapieeinheiten können in Kitas erbracht werden, wenn die Maßgaben der Thüringer Verordnung über die Infektionsschutzregeln zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus in Kindertageseinrichtungen, Schulen und für den Sportbetrieb vom 12.06.2020 eingehalten werden.

 

 

 

 Für Menschen mit Behinderungen in besonderen Wohnformen sollen zwei Besuche pro Bewohner und Tag bis zu zwei Stunden möglich sein.

 

 

 

Die Verordnung wurde noch nicht veröffentlicht. Die Übersicht zu den Änderungen finden Sie unter: https://corona.thueringen.de/behoerden/ausgewaehlte-verordnungen/

 

Sonderprogramm Familienerholung

 

Die letzten Monate stellten für alle Menschen eine Herausforderung dar. Das Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie hat in Zusammenarbeit mit den Familienferienstätten das Sonderprogramm Familienerholung auf den Weg gebracht. Im Rahmen dieses Programms können verschiedene Freizeitangebote und nach Bedarf/nach Möglichkeit vor Ort stundenweise Kinderbetreuungsangebote in Anspruch genommen werden. Das Land beteiligt sich anteilig an den Kosten.

 

Angesprochen werden explizit auch Familien mit Angehörigen mit Behinderungen. Das Programm startet am 07.07.2020 und endet zum 31.12.2020.

 

Es wird ein Zuschuss von 20 Euro je Übernachtung für Erwachsene und Kinder ab 18 Jahre sowie von 15 Euro für Kinder bis 17 Jahre gewährt. Bei Interesse melden Sie sich bei einer der Einrichtungen an. Lebenshilfe Landesverband Thüringen e.V.

 

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Weitere Informationen und die Liste der teilnehmenden Einrichtungen finden Sie hier: https://www.tmasgff.de/fileadmin/user_upload/Soziales/Dateien/Familie/Infoblatt_Sonderprogramm_Familienerholung.pdf .

 

Jena, den 13.07.2020 Dr. G. Schröter

 


Schülerinnen und Schüler von Förderschulen
werden in der Corona-Debatte zu wenig berücksichtigt

 

 

Eltern stossen an ihre Grenzen

 

 

 

Weimar

 

Die Schließung aller Schulen aus Sicherheitsgründen während der Anfänge der Corona-Epidemie war eine richtige Entscheidung und betraf selbstverständlich auch die Förderschulen für Menschen mit Behinderung in Thüringen. Gerade hier trifft man viele Risikogruppen an.

 

 

 

Seit der Schließung der Förderschulen im Freistaat werden nun die meisten Kinder und Jugendlichen mit Förderbedarf durch ihre Eltern ganztägig betreut, versorgt und bestmöglichst gefördert.

 

Die Auswirkungen auf das Familienleben und das Wohlbefinden von Förderkindern, ihren Geschwistern und Eltern findet in der aktuellen Situation allerdings keine Beachtung. Vielmehr werden sie bei Entscheidungen der Politik ausgeblendet und nicht themasiert.

 

 

 

Ob und wann die Förderschulen im Freistaat öffnen, ist weiter unklar. Während es für den normalen Schulbetrieb eine langsame Öffnungphase gibt, werden Eltern mit Förderkindern weiter im Unklaren über die Rückkehr in die Förderschulen gelassen. Dabei hat sich die Landesregierung in den zurückliegenden Jahren immer für die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigung in unsere Gesellschaft stark gemacht.

 

 

 

Welche Auswirkungen das auf betroffene Kinder hat, schildert als Beispiel Familie Stolze aus Heiligenstadt. Die Familie hat acht Kinder. Die älteste Tochter ist bereits 27 Jahre. Das Nesthäkchen der Familie wird im September seinen 5. Geburtstag feiern. Die Familie hat weiterhin Vierlinge im Alter von 15 Jahren, wo denen eines am Rett-Syndrom* erkrankt ist. Mit Sorge berichtet die Mutter über Kimberly, ihre geistig und körperlich behinderte Tochter.

 

 

 

Das Hauptproblem sieht die Familie im Fehlen des Schulbesuches. Vor der Corona-Pandemie besuchte Kimberly täglich wie zahlreiche andere Kinder mit Beeinträchtigung die St. Franziskus Schule in Dingelstädt. Während des täglichen Aufenthaltes erhielt das Mädchen Ergo-, Logo- und Physiotherapie. Dazu kam eine spezielle Autismustherapie.

 

 

 

Diese Angebote fehlen seit 5 Wochen komplett. Das hat starke Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Teenagers. Ihr Gesundheitszustand leidet und mit ihr ihre Eltern und Geschwister. Kimberly vermisst neben ihren anderen Bezugspersonen außerhalb der Familie, auch Eindrücke und Impulse von Außen. Die Mutter kann diese nur bedingt selbst täglich leisten. Entsprechend stark schwankt der Gemütszustand von Kimberly. Sie schläft schlecht ein, schläft insgesamt schlechter. „Man kann ihr den Grund für die Einschränkungen nicht erklären“, stellt die Mutter erschöpft fest. Auf ausdrücklichen Wunsch der Familie kommt weiterhin der Pflegedienst, um die Betreuung der Nachtaufsicht abzudecken und den Eltern selbst einige Stunden Ruhe zu ermöglichen, bevor am nächsten Morgen wieder die gesamt Wucht der Aufgaben auf den Schultern von Mutter, Vater und Geschwistern liegt.

 

 

 

In den zurückliegenden Jahren hat die Familie die Pflege und Betreuung ihrer Tochter mit Unterstützung aller Hilfssysteme zu Hause ermöglicht. Die physischen und psychischen Belastungen für Eltern und Geschwister erreichen nun aber einen Punkt, an welchem gesundheitliche Folgen für die pflegenden Eltern und Geschwister bedrohlich werden.

 

 

 

Neben der Umstrukturierung des Alltags auf die intensiv pflegebedürftige Tochter, müssen von den Eltern auch die Bedürfnisse der anderen noch im Haushalt lebenden Kinder in irgendeiner Form befriedigt werden. Auch ihre Motivation und Bereitschaft, sich weiterhin auf unbestimmte Zeit einzuschränken, nimmt spürbar ab. Konflikte bahnen sich an. Der Vater ist weiterhin als Paketfahrer tätig, so dass die Mutter die  Aufgaben tagsüber alleine zu Hause stemmen muss..

 

 

 

Die Umstellung des gesamten Alltags wirkt sich belastend aus. Homeschooling, Kindergartenkind, Haushalt, Einkaufen, Essen kochen und dazu noch die intensive Pflege, Versorgung, Betreuung und Förderung der schwerbehinderten Tochter. Unter diesen Umständen kann auch eine starke Mutter nur begrenzt gute Laune verbreiten oder Kinder motivieren, sich einzubringen.

 

 

 

Um betroffene Familien zu entlasten, fordert der Verband kinderreicher Familien gemeinsam mit dem Lebenshilfeverein Weimar dass zumindest ein Zeitpunkt oder ein Fahrplan zur Öffnung von Förderschulen durch die Politik festgelegt wird. Dann können die Familien eigenverantwortlich entscheiden, ob das Kind gefährdet ist oder wieder in den normalen Alltag einsteigen kann.

 

 

 

Noch wichtiger aber wäre es, angemessene und geeignete Maßnahmen anzubieten, welche Familien in dieser schwierigen Zeit  im häuslichen Umfeld unterstützen. Denkbar wäre zum einen eine Behandlung der Kinder und Jugendlichen durch Logo-, Ergo und Physiotherapeuten zu Hause. Entsprechende Mehraufwendungen für Fahrtkosten und – zeiten sollten dieser Berufsgruppe durch das Land unbürokratisch erstattet werden.

 

 

 

Zum anderen wäre nach Ansicht der Betroffenen auch eine Erhöhung des finanziellen Rahmens für die Verhinderungspflege dringend notwendig.

 

Die Verhinderungspflege dient der Entlastung der ständig pflegenden Person, sei es für Erholung, Hobbies, aber auch Amts- oder Arztbesuche.

 

Dieses Kontingent in Höhe von € 1.612 ,- pro Jahr*2 ist schon von jeher knapp bemessen und nun zu Corona-Zeiten noch schneller aufgebraucht.

 

 

 

„Eine Verdoppelung des bisherigen Rahmens wird nicht ausreichen.“, unterstreicht Katrin Konrad vom Verband Kinderreiche Familien. „Wir befinden uns in KW 16. Bereits im ersten Quartal 2020 war der Bedarf der Familien hoch.“

 

 

 

„Eine Erhöhung des Betrages wäre eine reelle Chance, die Eltern und Familien zu unterstützen“, ergänzt Claudia Geiken von der Lebenshilfe Weimar, „ damit man sich Pflege, Unterstützung und Entlastung organisieren kann. Denn schon in normalen Zeiten ist ein schwerstbehindertes und extrem pflegebedürftiges Kind eine Herausforderung. Aber nun stoßen viele an ihre Grenzen.“

 

 

 

Bei zukünftigen Entscheidungen in der Politik müssen dringend die Bedürfnisse von pflegenden Angehörigen beachtet werden. „Die Situation in Familien kann jeder Zeit kippen.“, warnt nochmals der Verband. Nicht nur Kindesvernachlässigung und Gewalt könnte ein Thema sein, sondern ganze Pflege- und Betreuungsstrukturen - nämlich die Familien/ Eltern - könnten hier wegbrechen.

 

 

 

Sollte die Politik keine Öffnung der Förderschulen vor dem nächsten Schuljahr in Erwägung ziehen, dann müssen diese Familien noch 20 Wochen für die intensive, oftmals auch körperlich schwere Betreuung ihrer Kinder aufkommen. Auswirkungen auf die Struktur von Familien und ihrer Gesundheit mag man sich im Verband kinderreicher Familien nicht vorstellen.

 

 

 

Weimar, den 19.04.2020

 

 

 

Lebenshilfe Weimar e.V.

 

Claudia Geiken

 

c.geiken@freenet.de

 

 

 

Verband kinderreicher Familien Thüringen e.V.
Katrin Konrad
thueringen@kinderreiche-familien.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*Das Rett-Syndrom

 

Es gehört zu den Erkrankungen des autistischen Spektrums und geht mit schweren körperlichen Behinderungen einher. Die Erkrankung tritt in der frühen Kindheit unvorhersehbar auf. In den meisten Fällen sind Mädchen vom Rett Syndrom betroffen. Viele der betroffenen Mädchen erleben das Erwachsenenalter, sind jedoch zeitlebens auf eine 24-Stunden Betreuung angewiesen. In Deutschland wird die Prävalenz auf 1:10.000 geschätzt. Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 50 Kinder. Das Rett Syndrom ist nach dem Down Syndrom die zweithäufigste Behinderung bei Mädchen. Zurzeit leben etwa 2.000 bis 3.000 Mädchen und Frauen mit Rett Syndrom in Deutschland.

 

 

 

 

*2 die Stundensätze von Familienentlastenden Diensten oder Pflegediensten liegen meistens über 30,- €/h.     Das ergäbe nicht einmal eine ganze Woche für eine Vetretung.

 



Frühchen App

 

Frühcheneltern stürzen meist ziemlich unvorbereitet in ihre neue Rolle. Da gibt es plötzlich viel zu früh einen neuen Menschen in ihrer Mitte, der oftmals noch mit unzähligen gesundheitlichen Problemen und Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen hat.

 

 

Statt kuscheliger, unbeschwerter Stunden des ersten Kennenlernens, die das Familienglück komplett machen sollen, findet man sich in einem für frischgebackene Eltern alptraumartigen Szenario aus Hygienevorschriften, Kabelgewirr, Maschinen und - manchmal - begrenzten Besuchszeiten wieder.

 

 

Diese emotionale Ausnahmesituation kann zur Belastungsprobe für die ganze Familie werden.

 

Die App „Hallo Frühchen“ wurde vorrangig für Kinder im Vorschulalter konzipiert. Sie informiert auf kindgerechte Weise anschaulich sowie erzählerisch über das Thema Frühgeburt.

 

Mehr Info`s unter:

http://www.fruehgeborene.de/informationen-fuer-eltern/geschwister-seite/geschwister-app

 


Info`s zum 2. Pflegestärkungsgesetz: